Eine kolumbianische Mutter, in Deutschland lebend, berichtet von ihren persönlichen Unterschieden in der Kindererziehung

Viele Frauen teilen die Freude, Mutter zu sein. Und stell dir vor, du wirst Mutter in einem anderen Land, mit anderen Sitten und Gebräuchen, die am Ende richtig überraschend sind. So erging es Mayerly, einer kolumbianischen TikTokerin und Instagram Influencerin. Sie zeigt in ihren sozialen Netzwerken, wie unterschiedlich es ist, Mutter in Lateinamerika und und Mutter in Deutschland zu sein.

Wir von Sonnenseite lieben es, Geschichten anderer Leute zu hören. Und zum Thema Mutter haben wir eine kontaktiert und nach ihren Erfahrungen gefragt. Als Bonus richtet sie eine Botschaft an Mütter, die in einem anderen Land mit einer anderen Kultur leben und dort ihre Kinder aufziehen.

Das Leben einer Latina-Mutter in Deutschland

Als Mayerly in ihrem Heimatland Kolumbien Marketing und Werbung studierte, gewann sie ein Stipendium für ein Semester in Mexiko, in der Stadt Guadalajara. Dort traf sie Menschen aus verschiedenen Ländern wie Spanien, Frankreich, der Schweiz usw. Als sie nach Kolumbien zurückgekehrt war, beschloss sie, die Welt zu bereisen.

Sie entschied sich, Au-pair-Kindermädchen zu werden. Ein Job, der häufig von jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren gemacht wird. Dabei reist man in ein anderes Land, um bei einer einheimischen Familie zu leben und deren Kinder zu betreuen, während man gleichzeitig an einem kulturellen Austausch mit der Gastfamilie teilnimmt. Das Land, in dem Mayerly die meisten Möglichkeiten hatte, war Deutschland. Deutschland stand nicht weit oben auf ihrer Wunschliste, weil sie nicht viel über die Kultur wusste, aber wegen ihres Wunsches, andere Orte kennenzulernen und zu bereisen, begann sie, Deutsch zu lernen.

In Deutschland verliebte sich Mayerly in einen Deutschen, während sie eine duale Ausbildung zur Erzieherin machte. Die Tatsache, dass sie aus verschiedenen Ländern und Kulturen kommen, war kein Hindernis für ihre Liebe, denn dadurch ergänzen sie sich gegenseitig: Er ist sehr ruhig und sie ist extrovertierter, was ein Gleichgewicht zwischen ihnen schafft. “Er ist wie mein Erdungspol, und ich bin die Person, die ihn aus der Routine holt. Ich glaube, unsere Beziehung funktioniert, weil wir beide wissen, wie wir den Freiraum des anderen und unsere Gewohnheiten respektieren können”. Außerdem sind sie beide offen dafür, voneinander und von der Kultur des anderen zu lernen.

Dann wurde sie schwanger und brachte ein wunderschönes Mädchen zur Welt. Es gab einige Dinge, die sie über Mutter sein und Kindererziehung in Deutschland im Vergleich zu Lateinamerika überrascht haben. In diesem europäischen Land bekommst du zum Beispiel eine Hebamme, die die werdende Mutter während der Schwangerschaft, der Geburt und im ersten Lebensmonat des Neugeborenen begleitet. Dieser Service wird in Deutschland von der Krankenversicherung bezahlt , in der sie auch Mitglied ist. Und das half ihr, Sicherheit und Vertrauen zu spüren, besonders am Tag der Entbindung.

Ein Unterschied, der ihr deutlich auffiel, war, wie Kindergeburtstage gefeiert werden. “Als ich als Kind Geburtstag hatte, gab es viele Süßigkeiten, Musik und Geschenke. Aber in Deutschland ist das anders. Auf Partys essen die Kinder am liebsten Gemüse wie Gurken, Tomaten oder Karotten. Es werden Geschenke gekauft (meistens etwas Einfaches und nicht sehr Teures). Und viele Kinder basteln selbst ein Geschenk. Sie malen zum Beispiel ein Bild.” Was die Unterhaltung auf Kindergeburtstagen angeht, wird in Deutschland, anders als in Lateinamerika, normalerweise nicht viel Musik gespielt, da die Kinder eher miteinander spielen.

Mayerly hatte das Glück, in einem Kindergarten zu arbeiten und bekam dort einen freien Platz für ihre Tochter. Sie war überrascht, dass viele Paare schon zwei Jahre im Voraus einen Kindergartenplatz beantragen, obwohl ihr Kind noch nicht mal gezeugt ist.

Sie war auch beeindruckt von den vielen Aktivitäten, die in Deutschland angeboten werden, wie z.B. Ballett, Musik, Kochen oder Sport, und das alles zu einem erschwinglichen Preis — etwas, das woanders. z.B. in Lateinamerika, sehr selten und teuer ist. “Was mir an Deutschland sehr gut gefällt, ist die respektvolle Erziehung der Kinder”, sagt Mayerly.

Was die Mischung aus lateinamerikanischem und deutschem Flair angeht, ist Mayerly der Meinung, dass diese Kombination die perfekte Balance der Schmackhaftigkeit ist. Zu Hause essen sie zum Beispiel sehr “kolumbianisch” (Arepas, Empanadas, Reis und andere typisch kolumbianische Gerichte), aber es kommt auch Pasta auf den Tisch.

Als Eltern mit zwei unterschiedlichen Kulturen versuchen Mayerly und Aaron, das Beste aus beiden herauszuholen, um ihre Tochter zu erziehen. Eine Sache, die bei ihnen zu Hause nicht fehlen darf, ist zum Beispiel Musik und Tanz. Sie zeigt ihrer Tochter jeden Tag einige Tanzschritte und sie haben jeden Tag Spaß zusammen.

Sie lässt ihre Tochter nicht zu viel fernsehen und widmet ihrer Familie viel Zeit. In Deutschland wollen viele Eltern nicht, dass ihre Kinder zu viel fernsehen, weil sie es besser finden, gemeinsam zu spielen und die Momente mit ihren Kindern zu nutzen, um sie spielerisch zu unterrichten. “Das ist zwar mehr Arbeit, aber am Ende bekommt man viel mehr zurück.”

Was die Sprache angeht, so spricht und versteht ihre zweieinhalbjährige Tochter sowohl Spanisch als auch Deutsch. Denn Mayerly spricht mit ihr immer auf Spanisch und ihr Vater auf Deutsch. Selbst wenn sie zusammen sind, sprechen sie jeweils in ihrer Muttersprache und verstehen sich. Die kleine Mia weiß, dass ihre Eltern “anders” sprechen.

Im Jahr 2020 begann Mayerly, zum Spaß einige Videos auf TikTok hochzuladen. Auch Aaron, ihr Partner, begann damit, als er die positive Resonanz der Leute sah, die ihr folgten. Die Leute wollten auch mehr über ihre Beziehung, den Erziehungsstil ihrer Tochter wissen. Und so entstand die Idee, in sozialen Netzwerken auf witzige und unterhaltsame Weise über ihr Leben zu berichten.

Bonus: Mayerlys Botschaft an Mütter, die in einem anderen Land als ihrem eigenen leben

“Wenn du in einem anderen Land bist, mit einer komplett anderen Kultur als deiner, wo auch nicht deine Sprache gesprochen wird, wo das einzige Familienmitglied, das du hast, dein Partner und jetzt dein Kind ist, wo du dich oft allein fühlst oder denkst, dass dich niemand versteht, dann möchte ich dir sagen, dass du eine Kämpferin bist, ein Vorbild, eine mutige Frau! Es ist nicht leicht, auszuwandern und alles, was du kennst, und deine Familie zurückzulassen, um in einem unbekannten Land ganz neu anzufangen. Ich möchte dich in den Arm nehmen und dir sagen, dass du alles richtig machst. Es gibt Menschen, die sich von dir inspirieren lassen, und auch das Wagnis eingehen, um dorthin zu kommen, wo sie hin wollen.”

Was denkst du über diese Geschichte und Mayerlys Leben in Deutschland? Gibt es ein Land, indem du gerne Mutter werden würdest und warum?

Bildnachweis der Vorschau pekyramona / Instagramk
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